Von Anita
Das Positive vorweg: Angst vor dem Virus habe ich nicht. Nicht mehr. Im April sah das noch anders aus. Wie ein dunkler Schatten lag es in der Luft, unsichtbar, nicht greifbar, unberechenbar. Die Infektionszahlen schnellten schweiz- und weltweit in die Höhe, jeden konnte es offenbar treffen. Die Sorge um meine Jungs – täglich ins Büro pendelnd – war gross. Mario und ich waren da nach unseren Winterjobs schon in der Zwischensaison und konnten uns zum Glück vom grossen Menschengewusel fern halten.
Typische Symptome bei meinem älteren Sohn zwangen uns dann eines Tages alle in eine zehntägige Selbst-Quarantäne. Testen lassen konnte sich Gian aber nicht, jung und ohne Vorerkrankungen war er kein Risikopatient und die Massnahmen waren für uns eh klar: Zuhause bleiben! So hatte die Jungmannschaft von nun an Homeoffice und Mario und ich nutzten die viele Zeit und das schöne Wetter, um das Haus auszumisten, Wände und Decken zu streichen, den Garten in ein Bijou zu verwandeln und ab und zu die Schleich- und Wanderwege rund um unser Haus abzulaufen oder ein paar Kilometer auf dem Mountainbike zu fahren. Für mich als Mutter war es besonders schön, endlich wiedermal alle zusammen am Mittagstisch zu haben.
Das ganze Corona-Zeugs habe ich anfangs intensiv verfolgt. Fragen wie 'Wo führt das hin?', 'Wie lange noch?', 'Was gibt das für einen Sommer?' begleiteten mich oft auch in den Schlaf. Jede für unsere Branche relevante Medienkonferenz des Bundesrates habe ich mitverfolgt, mitgeschrieben und die Ergebnisse auf die Muttseehütte versucht umzuwandeln. Dass der kommende Sommer kein normaler werden wird, war schon früh klar. Die Frage war nun vielmehr: Können wir die Hütte unter COVID-19 überhaupt öffnen? Sind wir von den Räumlichkeiten und Schutzbestimmungen her überhaupt in der Lage, Gäste zu beherbergen? Kann ich mein Hüttenteam genügend schützen? Schnell schon habe ich mir dazu Gedanken gemacht, die Tische auf Zwei-Meter-Abstände virtuell verschoben, Plätze gezählt, Schutzkonzepte geschrieben. Das Ergebnis war ernüchternd, aber dennoch positiv genug, um schliesslich sagen zu können: Unser Hüttensommer 2020 findet statt!
In der glücklichen Lage, dass die Muttseehütte auch für Tagestouristen relativ gut und einfach und bei fast jedem Wetter zu erreichen ist, unsere Übernachtungsgäste sich vom Schutzkonzept nicht abschrecken lassen und sich mein wunderbares, motiviertes Team von COVID-19 nicht die Vorfreude auf den Hüttensommer nehmen lässt und voll hinter der Sache steht, freue ich mich wirklich sehr auf den Sommer auf der Muttenalp.
Wir Bergler haben ihn irgendwie einfach, diesen gesunden Menschenverstand. Und den Glauben an das Gute. Auch in Zeiten von Corona. In diesem Sinne: Bis bald am Berg! Auch dieser Hüttensommer kann ein schöner werden :-)

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